Forschungsdossier zu Isle de Cube. Antilles en général

Amerikanische Reisetagebücher

Forschungsdossier zu Isle de Cube. Antilles en général

Vorwort

[Auszug] Mit dem nun vorliegenden Manuskript Alexander von Humboldts Isle de Cube schließt sich erneut eine Lücke der Humboldt-Forschung, nachdem vor einigen Jahren das fehlende Stück von Mexiko-Stadt nach Veracruz publiziert wurde. Es handelt sich um einen Text, der Humboldts und Bonplands zweiten Besuch auf Kuba vom 19. März bis zum 29. April 1804 beschreibt, also einen relativ kurzen Aufenthalt, bevor die beiden Forschungsreisenden sich über eine letzte Zwischenstation in den USA auf den Rückweg nach Europa machten. Während ihres ersten Aufenthaltes auf Kuba (19. Dezember 1800–29. März 1801) waren sie nach einem längeren Aufenthalt in Havanna in den Süden der Insel gereist, um mehrere Haciendas zu besuchen, und dann die Weiterreise zu Schiff von Trinidad Richtung Cartagena (Hafenstadt im heutigen Kolumbien) anzutreten. Nur von diesem Teil seiner Reise auf Kuba existierten bisher im Tagebuch Schilderungen.

Insel-Text und archipelisches Schreiben: Alexander von Humboldts Isle de Cube. Antilles en général

[Auszug] Alexander von Humboldts Manuskript Isle de Cube. Antilles en général lässt sich als Titel für ein ganzes Text-Archipel begreifen. Es fasziniert durch seine radikal offene Strukturierung und liefert uns eine Vorstellung vom Schreib- wie vielleicht mehr noch vom Denkmodell des Kultur- und Naturforschers. Die politische und soziale Komplexität der karibischen Inselwelt erfassen seine Textminiaturen relational und viellogisch. Sie machen ihn – zusammen mit seinen kubanischen Karten und dem Essai politique sur l‘île de Cuba – zu einem bedeutenden kubanischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts.

So eröffnet Humboldts Schreiben ein langes und überaus fruchtbares Jahrhundert einer kubanischen Literatur, die sich im Zeichen des Exils und einer intensivierten transarealen Bewegung als eine Literatur ohne festen Wohnsitz konstituieren und in den Werken von Julián del Casal, José Martí und Juana Borrero am Ausgang des 19. Jahrhunderts kulminieren wird.

Alexander von Humboldt, die Sklavereien in den Amerikas und das „Tagebuch Havanna 1804“

[Auszug] Humboldt und Bonpland hielten sich, von Veracruz kommend, vom 19. März bis zum 29. April 1804 in Havanna auf. Über den zweiten Kuba-Aufenthalt war bisher noch weniger bekannt als über den ersten Kuba-Aufenthalt der beiden Reisenden. Mit dem hier publizierten Tagebuch hat die Humboldt-Forschung einen bedeutenden Forschungsgegenstand dazugewonnen. Der Hauptgegenstand des „Tagebuches Havanna 1804“ in seinen in real time geschriebenen Partien sind die Zucker- und Sklavereiwirtschaft Kubas sowie die extremen Lebensbedingungen der versklavten Bevölkerung Kubas und der Kolonien anderer europäischer Mächte in der Karibik.

Remarques Linguistiques

[deutsche Zusammenfassung] Alexander von Humboldts Französisch zeigt Züge eines klassischen französischen Stils, der bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht. Die nun vorliegende Edition des Tagebuchfragments Isle de Cube. Antilles en général erlaubt es, den vielschichtigen Charakter der Humboldt’schen Sprachverwendung nachvollziehbar und am Dokument überprüfbar zu machen. Es ist eine äußerst lebendige Sprache, die in Humboldts Verwendung viele Facetten ihrer historischen Entwicklung zeigt, dabei präzise und zugleich beweglich bleibt. Damit ist Humboldts Französisch einzigartig in seiner Zeit.


avhumboldt.de stellt seit November 2017 in der Reihe edition humboldt in loser Reihenfolge neue Publikationen und Datenlieferungen der edition humboldt digital vor.

Zur edition humboldt digital

Das Akademienvorhaben „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ (AvH-R) hat Anfang 2015 seine Arbeit an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Das Vorhaben hat eine Laufzeit von 18 Jahren und wird im Rahmen der gemeinsamen Forschungsförderung von Bund und Ländern im Akademienprogramm finanziert.

Die Hauptaufgabe von AvH-R besteht in der vollständigen Herausgabe der Humboldt’schen Manuskripte zum Themenkomplex Reisen an der Schnittstelle von Kultur- und Naturwissenschaften. Die Schriftenreihe des Akademienvorhabens AvH-R läuft unter dem Titel  und ist hybrid angelegt. Die Printedition der Tagebücher – edition humboldt – ist als Lesefassung konzipiert. Die edition humboldt digital zielt auf eine möglichst umfassende textorientierte Transkription und Kommentierung der Handschriften sowie auf eine intelligente Nutzung normdateibasierter Webdienste und Informationsangebote (vgl. dazu Dumont/Kraft 2017). 

Seit September 2016 ist die edition humboldt digital im Netz verfügbar. Alle bisher edierten Reisemanuskripte, Dokumente und Briefe sind hier frei zugänglich und unter der Lizenz CC BY-SA 4.0 nachnutzbar. Ergänzt werden die edierten Texte durch einführende Kommentare und die retrodigitaliserten Registereinträge von rund 10.000 Personen, Orten und Institutionen aus den bisherigen Veröffentlichungen der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle (1970-2014). Ebenfalls integriert und verknüpft wurde die Alexander-von-Humboldt-Chronologie.

Tobias Kraft

Tobias Kraft ++ Redaktionsleitung avhumboldt.de (früher Humboldt im Netz) seit 2001 sowie Mitglied im Editorial Board des Open Access Journals HiN – Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien seit 2002 ++ Studium der Romanistik, Germanistik, Medienwissenschaft und Geschichte an der Universität Bonn und an der Universität Potsdam ++ 2008-2013 Promotion zu Alexander von Humboldt am Lehrstuhl für französisch- und spanischsprachige Literatur (Prof. Dr. Ottmar Ette), Institut für Romanistik, Universität Potsdam ++ seit Januar 2015 Arbeitsstellenleiter im Langzeitvorhaben „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ (AvH-R) an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

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