Podcast/Lesung „Ansichten der Natur“ in 4 Teilen (Deutschlandfunk/NDR, 2005/2018)

Ansichten der Natur – Deutschlandfunk

Im Dezember 2018 und Januar 2019 hat der Deutschlandfunk in der Reihe „Essay und Diskurs“ eine vierteilige Lesung unter dem Titel von Humboldts berühmtem Werk Ansichten der Natur gesendet. Die Lesung wurde 2005 vom NDR produziert.

Die überaus hörenswerte Reihe führt stimmungsvoll ein in einen von Humboldts populärsten Texte, hervorragend gelesen von Wolfgang Büttner.

Die Texte zu den einzelnen Sendungen wurden übernommen von den Seiten des Deutschlandfunks und an einigen Stellen leicht angepasst, bzw. korrigiert:

Ansichten der Natur (1/4)

Deutschlandfunk, 25.12.2018

Die Ansichten der Natur erschienen als Textsammlung von Humboldts Forschungsreisen in insgesamt drei Auflagen (1808, 1826, 1849). Mit jeder Auflage veränderte Humboldt seinen Text, erweiterte, stellte um, ergänzte und korrigierte. Die Reiseberichte entstanden auf der großen Amerikareise von 1799 bis 1804, die den Naturforscher nach Venezuela führte, an den Orinoco-Fluss, über die Anden, nach Mexiko – und schließlich in die USA. Sie sind sprachlich elegant und voller Überraschungen.

Die Reise Humboldts nach Lateinamerika gilt als die ertragsreichste Forschungsreise der Geschichte. Die Reisebeschreibungen des damals 45-Jährigen erschienen zwischen 1814-1831 in zunächst drei Quart-Bänden in Paris unter dem Titel Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent, fait en 1799, 1800, 1801, 1802, 1803 et 1804. Relation historique (auf Deutsch in 6 Teilen in den Jahren 1815-1832 unter dem Titel Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents).

Goethe bemerkte 1826 in seinen Gesprächen mit Eckermann über Humboldt:

Was ist das für ein Mann! Man kann sagen, er hat an Kenntnissen und lebendigem Wissen nicht seinesgleichen. Er gleicht einem Brunnen mit vielen Röhren, wo man überall nur Gefäße unterzuhalten braucht und wo es uns immer erquicklich und unerschöpflich entgegenströmt.

Ansichten der Natur (2/4)

Deutschlandfunk, 26.12.2018

Optimale Ausbildung für bedeutende Posten im preußischen Staatsdienst: Die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt genossen die Schule mit einer Reihe von Spezialisten auf Universitätsniveau. Alexander zeigte früh Interesse an Naturgegenständen – und entpuppte sich bald als großes Zeichentalent.

Diese Ansichten sind keine bloße Faktensammlung. Sie bieten einen grandiosen Überblick über Ströme, Urwälder, Vulkane, Bodenschätze, Klima, Bio- und Geologie, Lebensweise und Wirtschaft der Einwohner des Kontinents. Und wie immer bei Humboldt geht es hier um das lebendige Zusammenwirken aller Kräfte der Natur und der Kultur eine Fähigkeit zur Synthese, die der modernen Wissenschaft weitgehend abhandengekommen ist und von der wir heute nur träumen können. („Die andere Bibliothek“ zu einer Neuauflage der Ansichten der Natur 1987)

Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt wurde am 14. September 1769 in Berlin geboren. Alexander wurde mit seinem älteren Bruder Wilhelm von Hauslehrern erzogen. Er zeigte früh besonderes Interesse an Naturgegenständen, und da er gern Insekten, Steine und Pflanzen sammelte, galt er bald als der kleine Apotheker. Auch war er ein Zeichen- und Maltalent: Schon 1786 stellte er erste Radierungen in einer Kunstausstellung der Berliner Akademie vor. Humboldts späteres Reisewerk zeigte Illustrationen von herausragender Qualität, die hier ihren Ursprung gehabt haben könnten.

Ansichten der Natur (3/4)

Deutschlandfunk, 30.12.2018

Botanik, Meere, Vulkane, Mineralien: Mehrjährige Forschungsreisen führten Alexander von Humboldt nach Lateinamerika, in die Vereinigten Staaten von Amerika und nach Zentralasien. Überall dort betrieb Humboldt wissenschaftliche Feldstudien, aber auch Studien ethnologischer und demografischer Art.

Sobald Alexander von Humboldt im November 1796 durch den Tod der Mutter zum vermögenden Erben geworden war, schied er aus dem Staatsdienst aus, um sich als Naturforscher und Wissenschaftler unabhängig zu machen. Als Ziel schwebte ihm eine „physique du monde“ vor, eine Darstellung des gesamten physisch-geografischen Wissens der Zeit, zu dem er auf Forschungsreisen selbst entscheidend beitragen wollte. Bereits Ende 1796 entwickelte er brieflich seine trotz mancher Widrigkeiten, mehrfacher Anläufe und Umwege konsequent verfolgten Pläne.

Ansichten der Natur (4/4)

Deutschlandfunk, 01.01.2019

In einem Zeitraum von mehr als sieben Jahrzehnten entstand Alexander von Humboldts Gesamtwerk. Sein Wirken reicht weit über Europa hinaus, er war Mitglied zahlreicher Akademien weltweit. In Deutschland erlangte er vor allem mit seinen Ansichten der Natur und Kosmos große Popularität.

Meine Reise ist unerschütterlich gewiß. Ich präpariere mich noch einige Jahre und sammle Instrumente, ein bis anderthalb Jahr bleibe ich in Italien, um mich mit Vulkanen genau bekannt zu machen, dann geht es über Paris nach England, wo ich leicht auch wieder ein Jahr bleiben könnte […], und dann mit englischen Schiffen nach Westindien.

Humboldt korrespondierte bei seinem publizistischen Werk mit zahlreichen international bedeutenden Spezialisten der verschiedenen Fachrichtungen und schuf so ein wissenschaftliches Netzwerk eigener Prägung. Alexander von Humboldt starb am 6. Mai 1859 in Berlin.

Tobias Kraft

Tobias Kraft ++ Redaktionsleitung avhumboldt.de (früher Humboldt im Netz) seit 2001 sowie Mitglied im Editorial Board des Open Access Journals HiN - Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien seit 2002 ++ Studium der Romanistik, Germanistik, Medienwissenschaft und Geschichte an der Universität Bonn und an der Universität Potsdam ++ 2008-2013 Promotion zu Alexander von Humboldt am Lehrstuhl für französisch- und spanischsprachige Literatur (Prof. Dr. Ottmar Ette), Institut für Romanistik, Universität Potsdam ++ seit Januar 2015 Arbeitsstellenleiter im Langzeitvorhaben "Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung" (AvH-R) an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

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