99 unselbständige Schriften Humboldts als Volltext im Deutschen Textarchiv verfügbar

Das Deutsche Textarchiv (DTA) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) stellt einen disziplinen- und gattungsübergreifenden Grundbestand deutschsprachiger Texte aus dem Zeitraum von ca. 1600 bis 1900 bereit. In Zusammenarbeit mit dem Akademienvorhaben „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ und der Universität Potsdam (Professur für Romanische Literaturwissenschaft) hat das DTA in den letzten Monaten einen großen Teil der in deutscher Sprache erschienenen unselbständigen Schriften Alexander von Humboldts editorisch aufbereitet und computerlinguistisch erschlossen.

Bilddigitalisate und strukturierte Erfassung der Volltexte

Die Auswahl wurde basierend auf der Recherche-Datenbank „Die unselbständigen Schriften Alexander von Humboldts“ der BBAW getroffen; es wurden 164 deutschsprachige Texte ausgewählt, zu denen Kopien in der Bibliothek der Humboldt-Forschung der Akademie vorhanden waren oder zu denen geeignete Vorlagen aus anderen Quellen beschafft werden konnten. Die auf dieser Grundlage erfassten und strukturierten Volltexte werden derzeit sukzessive im DTA veröffentlicht und können dort parallel zu einem Bilddigitatilsat der Druckvorlage studiert werden. In der Recherche-Datenbank findet sich bei jedem Eintrag zu einer Publikation, die in das Deutsche Textarchiv übernommen wurde, ein Link auf die digitale Edition des Textes im DTA.

Humboldt, Alexander von: Geognostisches Gemälde von Süd-Amerika. In: Zeitschrift für Mineralogie. Bd. 2 (1826) S. 97-124, 481-500. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_gemaelde_1826>, abgerufen am 18.09.2015.
Humboldt, Alexander von: Geognostisches Gemälde von Süd-Amerika. In: Zeitschrift für Mineralogie, Bd. 2 (1826), S. 97-124 und 481-500. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_gemaelde_1826>, abgerufen am 18.09.2015.

 

Hohe Qualität der Transkription

Zur Zeit sind bereits 99 unselbständige Schriften im Volltext und als Digitalisat über das DTA abrufbar. Beinahe all diese Texte waren bis dato überhaupt nicht in digitaler Form oder lediglich als mehr oder minder gute Bildigitalisate verfügbar, die nur teilweise von einer – zumeist höchst fehlerhaften, weil ohne Nachkorrektur automatisch erzeugten – Volltexttranskription begleitet wurden. Die Publikation der Texte im DTA bietet demgegenüber eine sehr hohe Qualität, da sämtliche Volltexte manuell erfasst und anschließend einem mehrstufigen Prozess der Qualitätssicherung unterzogen wurden. Die Texte sind einheitlich gemäß dem flexiblen, standardisierten und interoperablen DTA-Basisformat erfasst, was zugleich deren langfristige Verfügbarkeit und nachhaltige Archivierung sicherstellt.

Schriften aus der gesamten Schaffenszeit

Die Sammlung, die in den nächsten Wochen komplettiert werden wird, dokumentiert einen Querschnitt der enorm produktiven, fast siebzig Jahre umfassenden Schaffenszeit Humboldts, von ersten geognostischen Arbeiten aus Humboldts Zeit als preußischer Bergbeamter, Untersuchungen der Farbe unterirdischer ‚Vegetabilien‘auf Reisen gemachte Beobachtungen aus den 1790er Jahren über etliche, den Fachjournalen Europas mitgeteilte Briefe aus der Zeit der südamerikanischen Reise 1799-1804 sowie zahlreiche Artikel aus den folgenden Jahren, in denen Humboldt neben Arbeiten anderer immer wieder aus eigenen Beobachtungen und Untersuchungen schöpft. Hinzu kommen Rezensionen, RedenVorworte, GutachtenErwiderungen und Berichte über Reisen anderer, an denen Humboldt fördernd Anteil nahm. Die einzige dezidiert literarische Arbeit Humboldts, „Die Lebenskraft oder der Rhodische Genius. Eine Erzählung“, die erstmals 1795 in Schillers Zeitschrift ‚Die Horen‘ erschien, ist ebenso Teil des Korpus. Bis hin zu dem fast rührenden „Ruf um Hülfe“ – einer eindringlichen Bitte des fast 90-jährigen an die Allgemeinheit, künftig von Anfragen über dem Autor „ganz fremde Gegenstände“, zur „Vermehrung autographischer Sammlungen“ sowie „Anerbietungen, mich häuslich zu pflegen, zu zerstreuen und zu erheitern“ abzusehen –, der in Humboldts letztem Lebensjahr 1859 in der Berlinischen Zeitung erschien, repräsentiert die Sammlung das gesamte Spektrum Humboldt’scher Veröffentlichungen.

Ein wachsendes digitales Korpus

Parallel zur Neuerstellung des Korpus unselbständiger Schriften im DTA wurde auch die notwendige Überarbeitung der ebenfalls von der BBAW herausgegebenen, digitalen Edition von Humboldts Vorträgen in den „Abhandlungen“ der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin in Angriff genommen.

Die „unselbständigen Schriften“ und die „Abhandlungen nach Vorträgen“ werden ergänzt um monographische Werke Alexander von Humboldts, die bereits im DTA zur Verfügung stehen: den fünfbändigen Kosmos (1845–1862), Hermann Hauffs Übersetzung der Relation historique (1859–62) und die Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse (1806).

Bereits jetzt gilt, was sich nach Abschluss der hier beschriebenen Arbeiten mit noch größerem Recht wird sagen lassen: An der BBAW steht, dank der Zusammenarbeit des Akademienvorhabens „Alexander von Humboldt auf Reisen“, der Universität Potsdam und des Deutschen Textarchivs, das umfangreichste und qualitativ hochwertigste Korpus an deutschsprachigen Texten Alexander von Humboldts über das Internet zur freien Nutzung bereit.

Gesamtüberblick aller Humboldt-Texte im DTA

 

Christian Thomas

http://www.bbaw.de/die-akademie/mitarbeiter/thomas

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