Karten zu Humboldts Reisestationen durch die amerikanischen Tropen (1799–1804)

Am 5. Juni 1799 bricht Alexander von Humboldt mit seinem Begleiter Aimé Bonpland im spanischen Hafen von La Coruña zu seiner großen Reise durch die amerikanischen Tropen auf.

An Bord der spanischen Korvette „Pizarro“ notiert er in sein Tagebuch feierlich:

Mein Auge war fest auf die Küste geheftet. Meine Stimmung war gut, wie sie sein muß wenn man ein großes Werk beginnt.

Die Reise selbst führt Humboldt und seine Reisegefährten auf die Kanarischen Inseln (1799), durch die Vizekönigreiche Neu-Granada (1799–1800, 1801–1803), Peru (1802) und Neu-Spanien (1804–1804), auf die Karibikinsel Kuba (1800–1801, 1804) und in die Vereinigten Staaten von Amerika (1804).

Es hat verschiedene Versuche gegeben, die Reiseroute kartographisch zu visualisieren. avhumboldt.de stellt heute die drei derzeit wichtigsten Modelle vor:

Amerikanische Forschungsreise (Wikipedia)

Die wohl bekannteste Routenkarte geht zurück auf den User Alexrk und wird bei Wikimedia Commons bereitgestellt. 

Wikimedia Commons, Alexrk / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)
Wikimedia Commons, Alexrk (2008) / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)

Vorteile

Die Karte liegt in mehreren Sprachen vor und bleibt durch ihre starke Vereinfachung, die historische Toponymie und den Fokus auf die wichtigsten Reisestationen und -daten sehr übersichtlich. Die beigefügte Legende ergänzt die Karte um eine sinnvolle Einteilung in die wichtigsten Reisephasen.

Nachteile

In ihrer Einfachheit blendet die Karte zahlreichen zentrale Aspekte der Reise aus: die komplexe Topographie des amerikanischen Kontinents, die Zeiträume der einzelnen Aufenthalte, die genaue Abfolge der einzelnen Reisestationen.

Details


Expedición Humboldt Siglo XIX (Geoático)

Im Zuge der mehrjährigen Arbeiten an der sechsbändigen Werk-Anthologie Humboldtiana Neogranadina (Bogotá 2018) des kolumbianischen Humboldt-Spezialisten Alberto Gómez Gutiérrez entstand auf dem Portal Geoático eine georeferenzierte Karte im Rahmen des Projekts Expedición Humboldt Siglo XIX. Es handelt sich um den derzeit jüngsten Versuch einer adäquaten Darstellung der amerikanischen Forschungsreise.

Vorteile

Die interaktive Karte präsentiert laut den Autoren „zum ersten Mal eine kommentierte anthologische Zusammenstellung der Forschungsreise“ und konzentriert sich insbesondere auf die Reiseetappen durch das heutige Kolumbien. Die Karte ist leicht und intuitiv zu nutzen. Die einzelnen Datenpunkte auf der Karte sind klar strukturiert und enthalten Informationen zu Localidad (Ort), Fecha de llegada (Datum Ankunft) und Fecha de partida (Datum Ab- bzw. Weiterreise). Für die (spanischsprachige) Forschung besonders interessant ist die häufige Verknüpfung dieser Einträge mit einer Belegquelle. Hierzu verlinkt das Portal jeweils auf die korrespondierende Seite der Humboldtiana Neogranadina (PDF-Version). Eine Zeitleiste erlaubt tagesgenau Eingrenzungen der angezeigten Reisestationen.

Nachteile

Der Fokus auf Kolumbien führt dazu, dass die Karten sehr unterschiedliche Grade der Präzision aufweist. So fehlt etwa die Verbindung zwischen den Reisen rund um Cumaná im heutigen Venezuela zur berühmten Orinoco-Reise. Trotz des datenbasierten Modells gibt es keine für solche Projekte üblichen Informationen zum Daten- oder Lizenzmodell: Die verwendeten Georeferenzdaten sind nicht separat dokumentiert oder als Download zur Nachnutzung verfügbar. Es gibt zwar verschiedene Kartenmodelle zur Auswahl (Satellit, topographisch, Weltmeere, National Geographic, monochrom), aber alle basieren auf der heutigen Toponymie, berücksichtigen also nicht die geopolitische Aufteilung der bereisten Gebiete zu Humboldts Zeit.

Details

  • Autorschaft Fernando Salazar Holguín, Mauricio Cubides, Omar Rivera, Alberto Gómez Gutiérrez
  • Plattform/Herausgeber Centro Ático, Instituto de Genética Humana en la Pontificia Universidad Javeriana
  • Titel Expedición Humboldt Siglo XIX
  • Jahr 2018
  • URL http://geoatico.net/v2/geo-atico-es/index-map.html#
  • Format Online-Interface
  • Sprache Spanisch
  • Interaktiv ja
  • Download nicht möglich
  • Dateigröße k. A.
  • Lizenz k. A.

Humboldt in Amerika (Peter Palm)

Die kartographischen Projektionen des Berliner Grafikers Peter Palm sind in der Vergangenheit mehrfach zur Illustration von Humboldt-Anthologien und Werk-Editionen verwendet worden. Sie zeichnen sich aus durch eine genaue Visualisierung der Kolonialordnung um die Jahrhundertwende (18.-19. Jh.) und legen viel Wert auf kartographisch ansprechende Details (etwa die Betonung der Fluss-Systeme).

Vorteile

Die Palm-Karten bieten eine breite Auswahl an Darstellungsoptionen der Reise und sind graphisch auf einem hohen Niveau umgesetzt. Als Alternative zur Wikipedia-Karte bieten sie mehr visuelle und inhaltliche Optionen (Details der Kolonialgebiete, Fluss-Systeme). Die Topographie Südamerikas, besonders wichtig für die Reise von Cartagena bis Lima, wird hier trotz aller Vereinfachung im Maßstab besonders gut deutlich.

Nachteile

Im Unterschied zur Wikipedia-Karte liegen die Palm-Karten nicht in einer offenen Lizenz vor. Das online verfügbare Kartenmaterial wird lediglich in einer niedrigen Web-Auflösung angezeigt. Die Details der Nutzungsbedingungen sind direkt mit Peter Palm abzusprechen.

Details

 

Redaktion avhumboldt.de (TK)

Dr. Tobias Kraft (TK) ++ Homepage ++ Redaktionsleitung avhumboldt.de (früher Humboldt im Netz) seit 2001 sowie Mitglied im Editorial Board des Open Access Journals HiN – Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien seit 2002 ++ Studium der Romanistik, Germanistik, Medienwissenschaft und Geschichte an der Universität Bonn und an der Universität Potsdam ++ 2008–2013 Promotion zu Alexander von Humboldt am Lehrstuhl für französisch- und spanischsprachige Literatur (Prof. Dr. Ottmar Ette), Institut für Romanistik, Universität Potsdam ++ seit Januar 2015 Arbeitsstellenleiter im Langzeitvorhaben "Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung" (AvH-R) an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ++ Initiator und seit 2019 Leiter des "Proyecto Humboldt Digital (ProHD) – Initiative zur Fortbildung in den Digitalen Geisteswissenschaften / Iniciativa para la Capacitación en Humanidades Digitales (La Habana/Berlin)".

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